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Red-Hat-Studie zu KI-Governance und Abhängigkeit deutscher Unternehmen von globalen KI-Anbietern

30. Mai 2026

Künstliche Intelligenz ist in vielen deutschen Unternehmen ein Thema nicht nur auf der strategischen Ebene, sondern rein praktisch. Auch, wenn Sam Altman seine Warnung vor KI-bedingtem Stellenabbau wieder etwas zurückgenommen hat, auf der „Accelerate AI“-Konferenz der Commonwealth Bank of Australia erklärte er laut Reuters, er habe den Abbau von Einstiegsjobs im Bürobereich bislang überschätzt. „Ich bin froh, dass ich mich in dieser Sache geirrt habe. Ich hatte gedacht, dass es inzwischen mehr Auswirkungen auf den Abbau von Einstiegspositionen im Bürobereich gegeben hätte, als es tatsächlich der Fall ist“. Die Hoffnungen der Unternehmen in höhere Effizienz und Effektivität sind aber weiterhin ungebrochen und sicher schwingt da auch weiterhin der Wunsch mit, Personal zu sparen oder welches zu sparen, was man sich ohnehin nicht hätte leisten können.

Eine Untersuchung von Red Hat beschäftigt sich damit, wie stabil die dafür notwendigen organisatorischen und steuernden Rahmenbedingungen tatsächlich sind. Der Open-Source-Unternehmen ließ die Studie vom Marktforschungsinstitut Censuswide erarbeiten. Insgesamt wurden 500 IT-Entscheider aus fünf europäischen Ländern befragt, davon jeweils 100 aus Deutschland. Im Fokus der Umfrage standen digitale Souveränität, der aktuelle KI-Einsatz sowie die vorhandenen Governance-Strukturen rund um KI.

Kernergebnisse der Studie – Wichtigste Zahlen auf einen Blick

Kennzahl Ergebnis
Exit-Strategie Nur 57% der deutschen Unternehmen haben eine definierte Exit-Strategie, falls der primäre KI-Anbieter den Zugang einschränkt
Geschäftskontinuitäts-Risiko 37% erwarten moderate bis erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftskontinuität bei einem Anbieterwechsel
Agentic AI Governance Nur 30% verfügen über ausgereifte Governance-Strukturen für Agentic AI
Lückenhafte Governance 29% haben vorhandene, aber lückenhafte Regelwerke; 27% lediglich grundlegende Richtlinien
Datentransparenz 46% haben nur teilweise Einblick, wo ihre Daten gespeichert und verarbeitet werden
Vollständige Datentransparenz Nur 51% können vollständig nachvollziehen, wo Daten gespeichert/verarbeitet werden
Open Source als Lösung 69% sehen in Open Source den Schlüssel zu mehr Transparenz und Kontrolle
Regulatorische Forderung 72% sprechen sich dafür aus, dass der Gesetzgeber Open-Source-Prinzipien verbindlich verankert

Studiendetails und Methodik

Untersuchungsgegenstand

Die Studie wurde von Red Hat, dem weltweit führenden Anbieter von Open-Source-Lösungen, in Auftrag gegeben und vom Marktforschungsinstitut Censuswide durchgeführt. Sie untersucht die digitale Souveränität, den KI-Einsatz und die dazugehörigen Governance-Strukturen in deutschen Unternehmen im europäischen Vergleich.

Methodik

Parameter Wert
Stichprobengröße 500 IT-Entscheider insgesamt
Befragte Länder Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien, Niederlanden
Pro Land Jeweils 100 IT-Entscheider (ab 25 Jahren)
Erhebungszeitraum 20. – 25. März 2026
Durchführer Censuswide (Mitglied der Market Research Society und British Polling Council)

Zentrale Erkenntnisse im Detail

1. Fehlende Governance bei Agentic AI

Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die nicht nur einzelne Aufgaben unterstützen, sondern eigenständig handeln, Entscheidungen vorbereiten oder Prozesse ausführen. Diese Systeme greifen oftmals auf verschiedene Datenquellen zu und entfalten Wirkung über einzelne Anwendungsfälle hinaus.

Deutlicher Nachholbedarf in Deutschland:

  • Nur 30% der deutschen Unternehmen verfügen über ausgereifte Governance-Strukturen für Agentic-AI-Lösungen

  • 29% berichten von vorhandenen, aber lückenhaften Regelwerken

  • 27% geben an, dass ihre Governance lediglich die Grundlagen abdeckt

  • Damit verfügen fast 76% der deutschen Unternehmen über keine voll entwickelten Steuerungs- und Kontrollmechanismen

Internationaler Vergleich: Länderübergreifend verfügen 64% der Unternehmen über zumindest teilweise oder umfassende Strukturen – Deutschland liegt deutlich darunter.

2. KI-Souveränität und Abhängigkeit von globalen Anbietern

KI-Souveränität wird in der Studie definiert als die Fähigkeit von Unternehmen, den Einsatz von KI kontrolliert zu gestalten, Abhängigkeiten zu beherrschen und im Bedarfsfall Anbieter oder Technologien wechseln zu können.

Kritische Abhängigkeiten:

  • Nur 57% der deutschen Unternehmen haben eine definierte Exit-Strategie, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang zu Diensten einschränkt

  • 37% erwarten moderate bis erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftskontinuität bei einem solchen Wechsel

  • 4 von 10 deutschen Unternehmen haben keinen definierten Notfallplan

Dies zeigt eine strukturelle Diskrepanz zwischen strategischen Zielsetzungen und der praktischen Handlungsfähigkeit.

3. Transparenz bei Datenverarbeitung

Ein wesentlicher Bestandteil von KI-Souveränität ist Transparenz über Datenverarbeitung und -zugriff:

Transparenz-Level Anteil deutscher Unternehmen
Vollständige Transparenz 51% wissen genau, wo Daten gespeichert/verarbeitet werden
Teilweise Transparenz 46% haben nur teilweise Einblick
Erhebliche Lücken 3% haben deutliche Transparenzmängel
Gesamt (vollständig + teilweise) 97% – Spitzenwert im europäischen Vergleich

Deutschland rangiert damit vor den Niederlanden und Italien (jeweils 90%).


Open Source als Lösungsansatz

Vor dem Hintergrund der identifizierten Lücken messen die Befragten Open-Source-Ansätzen eine zentrale Rolle bei:

Erwartete Beiträge von Open Source (für die kommenden 3 Jahre)

Vorteil Anteil der Befragten
Mehr Kontrolle über Entwicklung und Betrieb von KI-Systemen 69%
Bessere Anpassbarkeit an geschäftliche und regulatorische Anforderungen 68%
Erhöhte Transparenz und Prüfbarkeit 68%

Politische Forderungen

  • 72% der Befragten sprechen sich dafür aus, dass der Gesetzgeber Open-Source-Prinzipien wie Transparenz, Prüfbarkeit und klare Lizenzmodelle verbindlich verankert, um KI-Souveränität strukturell zu fördern


Zitate der Red-Hat-Verantwortlichen

Gregor von Jagow, Senior Director & Country Manager Deutschland bei Red Hat:

„Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Kluft. KI ist in den Unternehmen angekommen, aber Kontrolle und Steuerbarkeit halten nicht im gleichen Tempo Schritt. Hier wird Open Source entscheidend, weil offene Ansätze die Unternehmen dazu befähigen, Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Flexibilität zu behalten, unterschiedliche KI-Modelle und Infrastrukturen zu kombinieren.“

Hans Roth, Senior Vice President & General Manager EMEA, Red Hat:

„In der gesamten EMEA-Region haben sich die Diskussionen auf Vorstandsebene weiterentwickelt. Statt um erste Experimente geht es heute darum, wie sich KI so einsetzen lässt, dass sie Anforderungen an Souveränität, Sicherheit und Regulierung erfüllt.“


Fazit der Studie

Die Red-Hat-Studie zeichnet ein konsistentes Bild:

  1. KI ist operativ fest verankert, aber die organisatorischen und steuernden Rahmenbedingungen hinken hinterher

  2. Governance-Reife wächst nicht im gleichen Tempo wie die schnelle Verbreitung autonom agierender KI-Systeme (Agentic AI)

  3. Strukturelle Abhängigkeiten von globalen Anbietern bestehen trotz strategischer Awareness – im Störungs- oder Wechselfall können erhebliche Auswirkungen entstehen

  4. Open Source wird nicht als technisches Beiwerk verstanden, sondern als zentrales Instrument, um Kontrolle, Anpassungsfähigkeit und Transparenz zu stärken

  5. Der erfolgreiche und nachhaltige Einsatz von KI scheitert weniger an der technischen Verfügbarkeit als an der systematischen Ausgestaltung von Governance und Souveränität

 

 

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